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Hundert Jahre Seifenoper. Und ein Thermalbad für den Hund.

Years of Glory and Times of Trouble

Foto: English Bidge Unio Limited
Die Lady mit dem eiskalten Händchen
Rixi Markus ist feurig, Fritzi Gordon eiskalt – die wohl stürmischste und zugleich erfolgreichste Partnerschaft im professionellen Damen-Bridge-Sport
GT: Ein Tisch, gewidmet dem Schauspieler Luis Trenker?

Hannes: Der Vater meiner Frau, der Erwin Linsinger, unser Vorgänger im Hotel, hat ihm einen Brief geschrieben: „Lieber Luis, auf der ganzen Welt – überall fährst du herum. Und doch warst du noch nicht im Kötschachtal im Grünen Baum. Wenn du nicht sofort deine Koffer packst, dann bin ich dein Fan nimmermehr.“ Dann hieß es plötzlich: Luis Trenker kommt. „Wer so an Brief schreibt, den muass i ma anschaun.“ Der Grüne Baum wurde bald seine zweite Heimat.

GT: Wer ein Jubiläum begeht, denkt auch zurück an die Vergangenheit. Was ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Hannes: Ach, da denke ich an den Schah von Persien. Es war Maskenball im Grand Hotel de l´Europe. Sie haben die Linsinger-Dirndln gerufen, also meine Frau und ihre Schwester, weil sie so viele Fremdsprachen konnten. Und sie sollten den Schah unterhalten.

Monika: Also, das war so – im Februar ´65. Ich kam gerade von den Bermudas zurück und meine Schwester empfing mich ganz aufgeregt. Sie wollte unbedingt hingehen und hatte ein Kostüm organisiert. Wir wurden in den Ballsaal geführt und es war unglaublich. Als um Mitternacht der Moment der Demaskierung kam, wollte einer die Maske nicht heruntergeben. Also griff meine Schwester zu ihm hinüber und zog ihm die Pappnase weg. Von hinten sind sofort zwei Sicherheitsmänner gekommen und haben sie in die Schranken gewiesen. Also gingen wir mit ihm und unserer Runde in ein Separee und dort lüftete er die Maske: Wir hatten uns den ganzen Abend mit dem Schah von Persien unterhalten. Draußen hatte es zu schneien begonnen. Und wir waren nur in unseren Kostümchen. Man sorgte sich um uns und jemand zog mir einen dicken Pelzmantel über. Ich ging nach Hause, ich war so erschöpft von der langen Reise.

Hannes: Jetlag heißt das.

Monika: Das hat es damals noch nicht gegeben. Aber damals hatten wir direkt am Fenster unsere Wildtierfütterung. Die Tiere bekamen die ausgepressten Apfel- und Orangenschalen direkt durchs Fenster vom Frühstücksraum gereicht.

Hannes: Heute füttern wir das Wild immer noch, nur weiter drinnen im Tal. Man kann mit dem Pferdegespann vom Grünen Baum wegfahren. Dort gibt es Jause und Glühwein. Da kann es schon passieren, dass jemand illuminiert ist. Eine Dame hat es einmal übersehen und sich auf der Rückfahrt erleichtert. Am nächsten Tag ist dann unser Fiakerfahrer in die volle Bar gekommen und hat gebrüllt: „Ich habe das Gebiss gefunden! Wem gehört denn das?“ Natürlich hat sich die Dame nicht gemeldet ...

Monika: Einmal hatten wir einen ganz berühmten Psychiater und Hypnotiseur bei uns. Eine richtige Erscheinung war der. Wie der Curd Jürgens mit seiner tollen Frau.

Hannes: Jetzt komm zum Punkt.

Monika: Kurzum. Er hat zwei teure Zimmer bewohnt. Vis-à-vis. Einer unserer beflissenen Kellner hat dem Hypnotiseur und seiner Frau das Frühstück gebracht. Er hat an seine Türe geklopft und ihm mitgeteilt, dass das Frühstück da ist. „Ja“, sagte er, „stellen Sie das Frühstück auf den Tisch. Die Türe können Sie ruhig offen lassen.“ Während unser Kellner das Frühstück aufbaut, geht der Hypnotiseur hinüber und klopft an die Tür seiner Frau. Er läutet eine Glocke und ruft: „Liebling, der Schlitten ist da!“ Und läutet weiter mit dem Glöckchen. Dann ist sie nach draußen gekommen. Das war für sie ganz normal, diese Konversation.

Hannes: Das Geschäft war früher einfach viel lustiger.

GT: Würden Sie es noch einmal machen?

Hannes: Wenn es von 1960 bis 1990 wäre, dann ja. Dann würde ich es noch einmal machen. Jetzt ist es nicht mehr sehr lustig. Man muss diese Krise überstehen ...

Monika: Magst nicht lieber wieder eine Geschichte erzählen?

Hannes: Das Schöne an diesem Beruf ist, dass man jeden Tag ein Drama, eine Operette, ein Bauerntheater hat.

Monika: Wir hatten eine ältere Jüdin da, die Fritzi Gordon. Sie hat gelebt vom Bridgeln und Pokern. Da gab es im Hotel Mozart einen interessanten Bridge-Zirkel. Ich habe die Fritzi auch mal in London besucht und sie zu Turnieren begleitet. Die haben um viel Geld gespielt, und Fritzi hat ein paar Tage hintereinander verloren. Aber Fritzi war völlig unbekümmert. Sie hat nur gemeint, das Wichtigste ist, dass es sich am Ende des Jahres ausgeht. Und es geht sich immer aus. Es war schon schön früher.

Hannes: Ja, früher. Da haben wir den Kaviar löffelweise gegessen. Heute isst man ja nur mehr so ein kleines Löfferl. Damals hatten wir auch noch Gäste, die wollten sich mit dem Hubschrauber auf die Poserhöhe fliegen lassen. Obwohl – da war auch schon einmal der eine oder andere darunter, der seine Sonderwünsche dann nicht bezahlen konnte. Und der Belle-Epoque-Champagner!

GT: Das heißt, der Grüne Baum hat eine erweiterte Familie aus exzentrischen Menschen, mit denen man ein bisschen von ihrer Lebensgeschichte teilt.

Monika: Ja, das sind Menschen, die mit einem wilden Herzen kommen. Eine Familie hatten wir auch hier, die kamen immer mit ihrem Hund Sammy. Dem Sammy ging es irgendwann nicht mehr so gut, und die Familie ließ ihm jeden Tag in der Früh ein Thermalwasserbad einlassen, damit es seinen Gelenken wieder besser gehen würde. Und es hat geholfen!

GT: Wie sieht es nun aber mit der Zukunft aus?

Hannes: Wir haben so viel alte Substanz, die einfach hervorragend hergerichtet werden muss. Vom Zentrum könnte man einen Lift auf den Graukogel machen. Diese Idee ist nicht neu. Es ist immer noch interessant, in Bad Gastein Wirt zu sein, weil der Ort mit seinem Wasser, den Bergen, der Höhe so viel zu bieten hat. Schneesicherheit ist gegeben. Es ist einzigartig.

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