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Medium als Mittel zum Zweck

Der österreichische Künstler Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, dessen Arbeiten in den frühen 1980er-Jahren stets mit dem Begriff des Neo-Geo, der Kurzform für Neue-Geometrie, gelabelt wurden und deren Ästhetik die amerikanische Minimal mit der Pop Art verbinden, hat am 01. August seine Ausstellung in Bad Gastein eröffnet. Das Grand Tour Magazin hat ihn in Berlin getroffen.

von Christina Lissmann

Foto: Gerwald Rockenschaub

Grand Tour: Sie kommen gerade aus Bad Gastein zurück nach Berlin und haben im Rahmen von sommer.frische.kunst den Bad Gasteiner Sommer mit „frischer Kunst“ im Kunstpavillon White Noise bereichert. Ihre In Situ Arbeit bezieht sich formal auf die Architektur des Pavillons, was war vorgegeben und wie sind Sie auf diese Lösung gekommen?

Gerwald Rockenschaub: Der Pavillon als solcher war vorgegeben, ich habe aber die Plane und den Holzfußboden, welche für den Konzertbetrieb innen angebracht sind, entfernen lassen, d.h. ich habe die äußere Aluminiumstruktur als Ausgangspunkt für meine Arbeit genommen und mit 6 Meter langen, farbigen Aluminiumstangen erweitert. Diese Stangen nehmen formal die vorhandene Struktur der einzelnen Aluminiumelemente, aus welchen der Pavillon zusammengesetzt ist, auf und strukturieren den Pavillon der Länge nach in mehrere ungleichmäßige Abschnitte.
Diese Lösung hat sich, als ich den Pavillon das erste Mal gesehen habe, sofort aufgedrängt. Der Pavillon ist ja aufgrund seiner Gestalt kein Ort für eine Ausstellung von Bildern oder dergleichen, für mich aber gerade deshalb als Plattform für eine Intervention interessant. Aus den formalen Gegebenheiten hat sich dann sofort die Idee für diese Arbeit ergeben.

GT: Inwiefern knüpft diese raumspezifische Installation an Ihre vorherigen Arbeiten an?

GR: Durch das Entfernen der Plane kann man von innen die Berge der Umgebung wieder sehen und mittels der farbigen Aluminiumstangen werden Geh- und Blickrichtungen vorgeschlagen bzw. vorgegeben. Diese Maßnahmen - das Öffnen des Ausstellungsraums nach außen, das Vorgeben von Blick- und Bewegungsrichtungen - habe ich ja schon mehrere Male an diversen Orten vorgeführt, z.B. 1993 auf der Biennale in Venedig im österreichischen Pavillon und in Ausstellungen in Galerien und Museen.

GT: Worin bestand die besondere Herausforderung des Ausstellungsortes?

GR: Für mich gab es keine spezielle Herausforderung, da ich sofort eine einfach zu realisierende Idee hatte.

GT: Was sind die Grundprinzipien Ihrer künstlerischen Arbeit? Und wie kommen die Grundprinzipien in dieser Installation zur Anwendung?

GR: Grundsätzlich analysiere ich, bevor ich mit einer Arbeit beginne und eine Idee entwickle, immer die architektonischen Gegebenheiten und Voraussetzungen eines Ausstellungsorts. Alle weiteren Schritte und Entscheidungen basieren auf dieser Analyse und ich überlege dann, sehr vereinfacht ausgedrückt, wie sich mit möglichst wenigen Mitteln oder Maßnahmen eine maximale Wirkung erzielen lässt. Dabei ist das jeweilige, gewählte Medium eher Mittel zum Zweck. In manchen Räumen funktionieren für mich Bilder oder Skulpturen besser, welche ich auch immer speziell für den jeweiligen Ort arrangiere und inszeniere, in anderen Räumen finde ich eine raumgreifende Installation oder Intervention interessanter. Meistens erarbeite ich die Reflexion der Architektur eines bestimmten Orts oder Mediums, wie Malerei, Skulptur, etc. Dieses Vorgehen zieht sich durch alle meine Ausstellungen und kommt so auch in der Installation in Bad Gastein zur Anwendung.

GT: Die Installation wirkt sehr leicht und elegant - war das Absicht?

GR: Ich versuche immer meine Arbeiten leicht, elegant und ohne Mühe bezüglich der Herstellung aussehen zu lassen.

GT: Die gewählten Farbtöne kommen immer wieder in Ihrem Werk vor. Welche Bedeutung hat für Sie die Farbigkeit?

GR: Ich liebe Farben, je bunter umso besser.

GT: Wie war Ihr Eindruck von Bad Gastein?

GR: Eher regnerisch, weshalb ich auch nicht lange geblieben bin.

GT: Würden Sie wieder einmal in Bad Gastein ausstellen?

GR: Sofern es ein interessantes Projekt gibt, gerne - solange es nicht wieder regnet und kalt ist …

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 30.08.2015 im Kunstpavillon White Noise in Bad Gastein zu sehen.

www.sommerfrischekunst.de

Das Werk des österreichischen Künstlers Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, wird seit den frühen 1980er-Jahren stets mit dem Begriff des Neo-Geo verbunden. Neo-Geo durchdrang die Ästhetik der amerikanischen Minimal Art mit der konsumistischen Haltung der Pop Art. Tatsächlich entzieht sich Rockenschaubs Werk jedoch einer simplen stilistischen Einordnung. Gerwald Rockenschaub bezieht sich in seinen Animationen, Skulpturen, Wandobjekten und raumspezifischen Installationen gleichermaßen auf Ideen und Positionen der Moderne wie auf Phänomene der Alltagskultur. Diese werden in einem Akt der radikalen Reduktion und Konzentration — der beiden Basisprinzipien der künstlerischen Arbeitsweise Rockenschaubs — auf ihre wesentlichen Elemente komprimiert. Gerwald Rockenschaub lebt und arbeitet in Berlin.

Für das Land Salzburg entwarf das Architektenteam soma ZT, Wien und Salzburg, den Biennale-Pavillon. Die mobile Konstruktion überspannt auf einer Länge von 18 Metern ca. 155 Quadratmeter. Bis Juni 2011 stand »White Noise« auf dem Salzburger Mozartplatz. Jetzt wird er über zehn Jahre hinweg die Botschaft von Kunst und Kultur durch Österreich tragen. In Bad Gastein wird im Rahmen der sommer.frische.kunst. Gerwald Rockenschaubs Side-Specific-Installation der Öffentlichkeit präsentiert.
Der Pavillon hat seinen temporären Standort oberhalb der Christophoruskirche bezogen.

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